Niedersachsens Ministerpräsident am Gymnasium  

in Neu Wulmstorf 

 

Schüler des Gymnasiums Neu Wulmstorf sprechen mit Weil über Erfahrungen der Corona-Zeit und Perspektiven für die Zukunft. 

Bürgermeisterkandidat Tobias Handtke (links) mit Ministerpräsident Stephan Weil (Mitte) und Svenja Stadler, MdB, vor dem Neu Wulmstorfer Gymnasium mit dem Sechser-Rat der Schülervertretung

 

Auf Einladung von Tobias Handtke (Bürgermeisterkandidat, SPD) und Svenja Stadler (Bundestagsabgeordnete, SPD) diskutierte Stephan Weil (SPD-Landesvorsitzender) am 12. Mai mit dem „Sechser-Rat“, der Schülervertretung des Gymnasiums Neu Wulmstorf. Anlass für den Austausch war die Sorge der Gymnasiasten, dass die für Schulen geltenden Corona-Beschränkungen für viele Schülerinnen und Schüler eine hohe psychische Belastung darstellen und sie sich „abgehängt“ fühlten. Handtke begründete die Einladung: „Als Familienvater kenne ich die Sorgen von Jugendlichen. Ich verstehe gut und finde es richtig, dass junge Menschen ihre Zukunfts-Chancen selbst in die Hand nehmen wollen. Sie müssen gehört werden, brauchen dringend Perspektiven!“ 

 

 

Das aktuelle Anliegen der Schülervertretung ist, dass die Politik gleichzeitig mit den Lockerungen für Geimpfte auch entsprechende Erleichterungen für die Schulen beschließen soll. Das von häuslicher Isolation gekennzeichnete Home-Schooling hatte für viele zu dem Eindruck geführt, dass die Politik alles außer der Schule für wichtig erachte. Der Wirtschaft sei die Teilnahme an den Corona-Beschränkungen freigestellt gewesen, während Schüler und Schülerinnen sich regelmäßig testen müssen, wenn sie überhaupt ein Unterrichtsangebot in der Klasse bekommen. Derzeit werde überlegt, den Tourismus wieder zu normalisieren. Wenn nun Lockerungen für Geimpfte diskutiert werden, fühle man sich im Vergleich abgehängt und eingesperrt.  

Ministerpräsident Weil zeigte Verständnis für die Situation der Jugendlichen und warb gleichzeitig für ihr Verständnis, dass die Pandemie ohne Kontaktbeschränkungen nicht bekämpfbar gewesen wäre. Er bat die Jugendlichen, an die Familien zu denken, die ihre Eltern und Großeltern verloren haben. In einer Gesellschaft, die die Menschenrechte achtet, sei es unumgänglich gewesen, die am meisten Gefährdeten zu schützen. Dass diese Gruppe unter den Alten zu finden war, sei schnell klar geworden. In Bezug auf die Schulvorschriften erläuterte Weil, dass zu Beginn der Pandemie niemand aus Wissenschaft oder Politik beurteilen konnte, welchen Anteil Jugendliche am Infektionsgeschehen haben. Von ähnlichen Krankheiten wie der Grippe konnte man schließen, dass Kinder und Jugendliche die Infektion verstärkt weitertragen würden. Gerade die umfangreichen Testungen an Schulen haben nun aber bestätigt, dass Schulen grundsätzlich ein Pandemie-armer Raum seien. Nur 0,03 Prozent aller Positiv-Fälle seien an Schulen aufgetreten. Insofern können nun auch die weiteren Maßnahmen darauf abgestimmt werden. Er stellte zudem in Aussicht, dass die Impf-Priorisierung in wenigen Wochen aufgehoben werden könne. Es werde derzeit auch überlegt, Sonder-Impf-Aktionen an Schulen anzubieten, so dass viele der Beschränkungen an Schulen bald der Geschichte beizulegen sind. Allerdings zeige sich auch, dass das Virus neue Wege nimmt, um weiterzuleben. 

Ein weiterer Themenblock war die Digitalisierung des Unterrichts und die digitale Infrastruktur. Der Sechser-Rat beklagte mehrere Defizite. Die Versorgung der Schulen sei grundsätzlich lückenhaft. Die Netzkapazität und das Schul-W-LAN sind nicht ausreichend. Es gibt keine einheitlichen Arbeitsgeräte, die dadurch nicht kompatibel sind. Die Chancen der Jugendlichen, am Unterricht gleichberechtigt teilzunehmen, sei deshalb nicht für alle gegeben. Der Rat hob hervor, dass Lehrer und Lehrerinnen sich mit der Nutzung ihrer eigenen Geräte sehr bemühten, den Unterricht digital zu gestalten.  

Neben der Schülervertretung waren auch der zuständige Vertrauenslehrer Koch, Schulleiter Berthold sowie je eine Delegation des Personalrats und des Lehrkörpers bei dem Gespräch anwesend. Letztere unterstützten die Anliegen der Schülervertretung mit Nachdruck und forderten eine einheitliche digitale Ausstattung für Schulen. Die Corona-Zeit habe zudem gezeigt, dass Schulen dringend Fachpersonal für die Betreuung der digitalen Ausstattung benötigen. Auch habe sich die Notwendigkeit von Schul-Sozialpädagogen und Sozialarbeitern bestätigt. Weil nahm die Anliegen der Schule auf, verwies aber darauf, dass die mangelnde Personalausstattung auf den Fachkräftemangel zurückzuführen sei. Für die digitale Ausstattung sind im Digitalpakt erhebliche Gelder für die Nachrüstung der Schulen zur Verfügung gestellt worden. Tobias Handtke kommentiert das so: „Auch bei der digitalen Schulausstattung hat sich gezeigt, dass Corona Defizite wie mit dem Brennglas erkennbar macht. Es darf aber kein Erkenntnisgewinn bleiben, sondern dem muss auch ein Umsetzungsprogramm folgen. Auf kommunaler Ebene werden wir uns weiter dafür einsetzen.“  

Stephan Weil hat sich einige Anregungen notiert und verspricht, dass der Austausch wiederholt wird, dann mit dem Kultusminister Grant Hendrik Tonne. 

 

„In diesen Wochen muss es uns darum gehen, dass die Privilegien für die Geimpften einher gehen mit mehr Freiheiten und Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler“, so Handtke abschließend. 


Quelle: PM SPD Neu Wulmstorf vom 16.05.2021